Tischaufsatz für Spiele

Egal ob Rollenspiele, Kartenspiele wie „Aventuria“ oder Brettspiele wie „GEN7“, irgendwann wird der Platz auf dem heimischen Tisch knapp. Da macht auch unser Spieltisch keine Ausnahme – trotz 150×100 cm. Genau für diese Situationen haben verschiedene Hersteller modulare Tischaufsätze entwickelt, die das Verteilen der Materialien auf mehrere Ebenen erlauben und dadurch mehr Platz schaffen sollen. Mit Preisen zwischen 70 und 160 Euro – je nach Ausstattung – sind diese jedoch nicht ganz billig. Aber geht das nicht auch günstiger?

Sucht man nach Aufsätzen für Spieltische landet man sehr schnell beim „AdapTableTop“ der italienischen Firma „Game Start“, sowie dem von „Spidermind Games“ angebotenen „The Level Up“-System. Beide wurden erfolgreich über Kickstarter finanziert.

AdapTableTop

„AdapTableTop“ besteht aus 30x30x1 cm Kunststoffplatten, die über „Klemmbausteine“ miteinander verbunden werden. Über Stützen, die sich unter die Platten stecken lassen, kann die Höhe zwischen Tisch und Unterkannte der Platten zwischen 8 und 12 cm variiert werden. Es soll auch möglich sein, Platten in verschiedenen Ebenen miteinander zu kombinieren. Das Basisset mit 6 Platten (90×60 cm) und 12 Stützen wird aktuell für 73 Euro angeboten. Für weitere 29 Euro bekommt man ein Zubehörset, bei dem vor allem die 6 Kartenhalter (eine einfache Holzleiste mit einem Schlitz zum Einstecken der Karten) und die 6 kleinen Dosen zur Aufbewahrung von Markern und Token interessant sein dürften. Beide lassen sich mit Hilfe von Klammern an den Stützen befestigen. Im letzten Kickstarter, der im August 2022 ausgeliefert werden soll, wurde auch eine LED-Erweiterung finanziert, welche den Bereich unter und auf den Platten beleuchten soll. Der Preis für die LED-Erweiterung soll um die 60 Euro betragen.

The Level Up

„The Level Up“ kommt aus England und setzt ebenfalls auf ein modulares System aus Plastikplatten. Diese sind ebenfalls 30×30 cm (bzw. 12×12 inch) groß, werden jedoch über ein spezielles Stecksystem miteinander verbunden. Als Stützen kommen hier mehrere dünne Metallstäbe mit einer Höhe von ca. 15 cm zum Einsatz, die von unten die Platten eingeschraubt werden. Das Basisset mit 6 Platten (61×91 cm) und 6 Stützen wird für US$90 angeboten, ist aktuell jedoch ausverkauft. Eine Erweiterung mit 4 Platten und 3 Stützen kostet US$55 und das große Set mit 12 Platten (122×91 cm) und 12 Stützen US$180.

Marke Eigenbau

Beide Systeme bieten den Vorteil eines modularen Systems und sind somit auch leicht zu verstauen. Vor allem beim „AdapTableTop“ stören mich jedoch die vielen benötigten Stützen. Günstig sind beide Varianten nicht.
Da die Meinungen zu solchen Tischaufsätzen sehr weit auseinander gehen und ich keine Erfahrung damit hatte, wie sinnvoll so etwas ist und nicht wusste, ob wir das auch tatsächlich verwenden würden, hatte ich mich nach günstigeren Alternativen umgeschaut. Dazu habe ich einfach mal eine Runde im Baumarkt gedreht – und bin fündig geworden. Folgendes ist dann im Einkaufswagen gelandet:

  • Eine beschichtete MDF-Platte (1200x600x8 mm) in Natur für ca. 7 Euro
  • 4 höhenverstellbare Plastikstützen (12 bis 15 cm) für zusammen ca. 11 Euro
  • 4 Zusatz-Halteclips für die Stützen für zusammen ca. 4 Euro
  • 1 RGB-LED-Streifen (5 m) mit Fernbedienung für ca. 10 Euro

MDF steht für „Mitteldichte Faserplatte“, also eine Platte aus verpressten und verklebten Holzfasern. Die von mir gewählte Platte hat eine etwas größere Fläche, als die Basissets von „AdapTableTop“ und „The Level Up“ und ist mit 8 mm relativ dünn und leicht. Dennoch ist die Platte erstaunlich verwindungssteif. Dadurch reichen auch 4 Stützen aus. Die Platte ist beidseitig beschichtet, so dass man sie auch mal abwischen kann. Trotzdem fühlt sich die Oberfläche leicht angeraut an und Karten oder Spielpläne verrutschen nicht zu leicht.
Bei den Stützen habe ich mich für einfache Varianten aus schwarzem Kunststoff entschieden. Diese wurden jeweils mit 4 kleinen Schrauben an der MDF-Platte angebracht. Durch ein Gewinde lässt sich die Höhe jeder Stütze stufenlos um bis zu 3 cm verstellen.

Tischaufsatz aus MDF (hier mit Spielmaterial von GEN7)

Damit wäre der Tischaufsatz für unter 20 Euro eigentlich auch schon fertig gewesen. Allerdings hatte ich mich dafür entschieden, an der Unterseite auch eine RBG-Streifen anzubringen. Dadurch kann der Bereich unter und vor der Platte in verschiedenen Farben und Helligkeiten ausgeleuchtet werden.

Und schließlich hatte ich auch noch für jede Stütze einen kleinen Halteclip mitgenommen. Dieser kann flexibel an einer Stütze angebracht werden. Dadurch wäre es möglich später noch Kartenhalter oder Behälter für Token und Marker zu ergänzen.

Zusätzliche Halterungen lassen sich an die Stützen „anstecken“

Praxistest

Die erste Bewährungsprobe hatte der selbst gebaute Tischaufsatz zu Sylvester 2021, als wir zur viert das Brettspiel „GEN7“ gespielt haben. Etwas gewöhnungsbedürftig war sicherlich die erhöhte Position des Spielfeldes. Wirklich lesen konnte man da nichts mehr, ohne aufzustehen – allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das anders gewesen wäre, hätten die Spielfelder direkt auf dem Tisch gelegen. Dafür war unter dem Aufsatz noch genügend Platz für die eigenen Materialien wie Würfel, Marker, Karten und Bögen. Auch die Beleuchtung stellte sich dabei als sehr hilfreich heraus.
Insgesamt hat sich der Aufsatz in dieser Konstellation tatsächlich als hilfreich erwiesen. Ohne ihn wäre wohl deutlich weniger Platz auf dem Tisch gewesen und vermutlich hätte wir wieder Material über Sofa und Sessel verteilt. Wie das bei anderen Spielen ist, wird sich aber noch zeigen müssen. Der erste Test war jedenfalls positiv.

Unter dem Aufsatz ist Platz für Token, Karten und einiges mehr

Verbesserungsmöglichkeiten und Fazit

Natürlich ist dieser erste Versuch eines selbst gebauten Tischaufsatzes für Rollen-, Karten- und Brettspiele noch lange nicht perfekt. Das größte Problem stellt momentan noch die Beleuchtung dar. Hier wollte ich zunächst nur wenig Geld ausgeben – schließlich wusste niemand, ob sich so ein Aufsatz überhaupt Sinn macht – und hatte mich daher für einen günstigen flexiblen LED-Steifen entschieden. Dieser ist aber nicht wirklich dafür geeignet um 90° Kurven verlegt zu werden. Dadurch löst er sich an den Ecken an der Unterseite immer wieder ab und hängt dann los von der Platte herab – nicht schön! Hier überlege ich, den Streifen durch modulare Streifen mit flexiblen Verbindern zu ersetzen, die sich dann sauber anbringen lassen.

Beleuchtete Unterseite


Ob ich die Oberfläche zusätzlich zur bereits vorhandenen Beschichtung auch noch lackieren sollte, habe ich auch noch nicht entschieden. Notwendig dürfte das sicherlich nicht sein und wäre in erster Linie eine optische Aufwertung.
Was die Erweiterung mit Hilfe der Clips betrifft, habe ich mich ebenfalls noch nicht entschieden. Hier könnte ich mir kleine Holzkästen vorstellen, die für noch etwas mehr Ordnung sorgen könnten.

Der selbst gebaute Tischaufsatz bietet sicherlich nicht die Flexibilität der kommerziellen Konkurrenz. Mit einem Basispreis von unter 20 Euro ist er aus meiner Sicht aber eine preisgeünstige Alternative – zumindest so lange es nicht darauf ankommt, den Aufsatz platzsparend lagern zu können.

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