Was ist Degenesis? – Teil 1: Herkunft

Die Anfänge

Degenesis ist ein freies deutsches postapokalyptisches Endzeit-Pen&Paper-Rollenspiel, welches auf der Erde ab dem Jahr 2595 angesiedelt ist. Das Spiel beschreibt sich selbst als „Primal Punk“. Geschrieben wurde es ursprünglich von Christian Günther und Marko Djurdjevic. Die erste Edition erschien 2004 im Sighpress-Verlag und wurde bis 2008 um eine Reihe weiterer Bücher (Quellen- und Kampagnenbände) ergänzt.

Neben einem eher unhandlichen Regelsystem soll das größte Problem dieser Edition jedoch das beschriebene Setting mit seinen verschiedenen Kulten gewesen sein. Zwar konnten die Spieler zwischen einer ganzen Reihe von besagten Kulten für ihre Charaktere wählen, doch lagen all diese Kulte miteinander im Krieg. Daraus folgte, dass es praktisch keine sinnvolle – den Regeln der Welt folgende – Möglichkeit gab, eine Gruppe aus unterschiedlichen Kulten zu spielen.

Die Wiedergeburt

Das Regelsystem – „Katharsys“ genannt – wurde daraufhin komplett überarbeitet und die Welt einige Jahre weiter in die Zukunft verschoben. 2014 kam dann diese auch heute noch aktuelle zweite Edition als „Degenesis Rebirth Edition“ auf den Markt. Als Verlag zeichnete sich nun die berliner Firma SixMoreVodka (SMV) verantwortlich.
Interessant dabei ist, dass SMV eigentlich weder ein normaler Verlag, noch eine klassische Rollenspiel-Firma ist, sondern ein Design-Studio, welches u.a. für Marvel, Warner Bros, Riot Games, Ubisoft und Electronic Arts arbeitet. Degenesis würde ich daher eher als Hobby-Projekt von SMV ansehen, was gemacht wurde (und wird), weil man Lust darauf hatte und nicht, um damit in erster Linie Geld zu verdienen. Das unterscheidet dieses Spiel von vielen anderen klassischen Rollenspiel-Systemen.

Die Rebirth Edition von Degenesis gilt allgemein als eines der stimmungsvollsten, immersivsten und am eindrucksvollsten gestalteten Rollenspiele – nicht nur auf dem deutschen Markt. Man merkt den Büchern auf praktisch jeder Seite an, welchen Hintergrund der Verlag eigentlich hat.

Leider war Degenesis aber auch in preislicher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung: Das Grundregelwerk kostet 99 Euro. Dafür bekommt man zwei Hochglanz-Bücher mit jeweils über 350 Seiten, ordentlich verpackt in einem stabilen Schuber. Dennoch sind 99 Euro nichts für einen Gelegenheitskauf. Selbst für die PDFs wurden knapp 40 Euro verlangt.

In loser Reihenfolge erschienen seit 2014 weitere Bücher – meist eine Mischung aus Quellen- und Kampagnenband – und ein Spielleiterschirm. Und auch Anfang 2021 soll es wieder was neues geben. Die Preispolitik dieser Bücher sah allerdings ähnlich aus, wie beim Grundregelwerk.

Free to Play

Von Beginn an erschien Degenesis auf Deutsch und wurde dann auf Englisch übersetzt. Während der Absatz im englischsprachigen Ausland und in Frankreich jedoch recht gut war, stagnierten die Verkaufszahlen in Deutschland – nach Aussage von SMV im niedrigen zweistelligen Bereich liegend. Anfang 2020 entschloss sich SMV daher zu einigen Änderungen:

  • Die Degenesis-Homepage wurde komplett neu gestaltet und ist jetzt nur noch auf Englisch zu sehen. Dass es überhaupt deutschsprachiges Material gibt, findet man nur nach einigem Suchen heraus.
  • Das bisherige Forum wurde gelöscht. Die Kommunikation mit der Community findet jetzt hauptsächlich über Discord statt.
  • Alle bisherigen und zukünftigen PDFs sind nun kostenlos von der Degenesis-Homepage downloadbar (auch auf Deutsch, einfach mal auf „Download“ klicken).
  • Und das für mich wichtigste: Neue Bücher erscheinen zukünftig nur noch auf Englisch.

Damit ist Degenesis in der Rebirth Edition seit April 2020 also ein freies deutsches Rollenspiel. Das finde ich super.

Leider ist man als deutsprachiger Spieler nun aber bei zukünftigen Publikationen auf die Community angewiesen – die ich an dieser Stelle einmal lobend hervorheben möchte. Denn tatsächlich wurde schon das erste Buch (Artefakte) mit 250 Seiten von den Fans auf Deutsch übersetzt – mit dem Original-Design – und wird kostenlos als PDF zum Download angeboten. Hier muss man aber auch SMV loben, denn soweit ich das mitbekommen habe, wurde die Community aktiv vom Verlag unterstützt und mit allen für so ein Projekt notwendigen Dateien versorgt. Insofern kann man wohl davon ausgehen, dass der Verlag eine solche Fan-Initiative zwar sehr wohlwollend annimmt, selbst aber einfach keine Ressourcen mehr dafür „verschwenden“ will.

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